ES L(I)EBE DER TOD | KATHARINA WENTY / VIVE Y AMA LA MUERTE | TRAD. PIERLUIGI MANCHIA


ES L(I)EBE DER TOD

Auf einer bunten Blumenwiese,
einem Pastell-Farbenparadiese,
so schön, dass selbst Tiere hier nicht jagen,
solch Schönheit zu zerstören nicht wagen,
gar lieber ihre Namen jenen Pflanzenwesen leihen.
So gedeihen hier Bär-Lauch neben Löwen-Zahn und Gänse-Blümchen,
Märzenbecher bechern gefallne Himmelstränen auf,
und selbst Disteln fisteln hier mit beinah’ gleich viel Charme wie … Misteln.
Hier, wo der Boden wie ein vollkommenerer Sternenhimmel wirkt,
stirbt auf einmal alles, was die Füße jenes Eindringlings berührt.
Eine hagere Gestalt, bleiches Antlitz, in einen schwarzen Umhang eingeschnürt,
Krähen krächzen in einem unheilvollen Chor,
Blumen ächzen ihren letzten Blütenstaub hervor,
windstill und starr, bleibt Kälte wie im Februar:
Ein Pastellfarbenparadiese mit einem toten Blumenpfad,
und jene Gestalt, die stets verheißt den Sarg,
schreitet unbeirrt durchs wilde Knospenmeer:
Seine Majestät persönlich, ja, der Tod.

Doch kaum ein paar Sekunden ewig schlafend,
heben die vorhin gemordeten Blüten nun wieder ihre Köpfe,
Die Pusteblumen schütteln gar ihre Schöpfe
und verlieren sogleich ihre letzten grauen Samenhaare,
die im Fluge bilden Liebespaare,
denn, ach, so kommt der Tod, so kommt das Leben,
stirbt das Leben, lebt der Tod.
Und tatsächlich betritt nun Ihre Majestät persönlich, ja, das Leben, jene Lichtung.
Und hier, wo der Sternenhimmel wie eine prachtvollere Blumenwiese wirkt,
lebt auf einmal wieder alles, was die Füße jener Fremden berührt.

Eine grazile Gestalt, sommersprossiges Gesicht, in ein feuriges Kleid eingeschnürt.
So wie die Toten nun wieder leben,
so dreht der Tod sich zu dem Leben –
und erschrickt angesichts der Schönheit seines Gegenteils,
welches ihn keck anlächelt bevor es beginnt zu tanzen.
An Größe und Pracht wachsen um sie herum die Pflanzen,
wippen ihre Blüten im Takt des Lebens Luftsprünge und Hüftschwünge.
Einzig um den Tod herum bleibt ein tristes, kleines Feld an … Tod.
Doch das Leben fühlt sich nicht bedroht,
sondern beginnt sich wild um ihn herumzudrehen,
und als dem Tod vor entzückendem Gefallen
fast die Augen herausfallen,
bleibt das Leben plötzlich vor ihm stehen.
Der Tod räuspert sich vornehmlich,
bückt und pflückt nun eine Rose, die er dem Leben darreiche,
doch sowie er den Stängel angreife, wird die Blume zu ner … Leiche.
Etwas peinlich berührt hält er ihr dennoch die verwelkte Rose hin,
aber das Leben stemmt die Arme in die Hüfte und meint:
“Was willst du, Tod, denn von mir?
Du bist jedermann Feind – im Gegensatz zu mir.
Bringst den Menschen nur Untergang sowie Verderben,
du zerstörst meine Werke, darum kann aus uns beiden doch nie etwas werden.”
Dem Tod fallen erneut fast die Augen heraus,
er ruft: “Leben, sprich frei heraus,
du hältst dich wohl für besser als mich?
Aber ich bin unvergänglich, du bist es nicht.
Ich, ja ich, bringe erst deinen Wert zum Vorschein
Und du denkst, ich sei der Schrecken der Menschen, NEIN …
Ich bin die Erlösung ihres Lebens, ich vollende was du geschaffen…
Und wenn meiner Kunden Wunden klaffen,
dann säubern sie meine Tränen,
doch die meisten Menschen sehnen
sich sowieso schon längst nach mir,
und ich begrüße sie wie ein Freund nach einem harten Arbeitstag;
Meine Tat … ist kurz, entweder als Kuss oder als Schlag;
du hingegen … weilst zumeist lange,
birgst nur krisenreiche Belange,
und niemand, wirklich niemand weiß wirklich was überhaupt dein Sinn ist!
Vielleicht bin ich ja der Höhepunkt des Lebens eines jeden Organismus!
Der Abschluss des Lebens, ein Ausfluss an Leben, ein Lebens-Orgasmus!”

Da erbleicht das Leben, wird gar blasser als sein Gegenüber,
die Lippen zittern, der Blick wirkt trüber:
“Tod, geh’ sterben!”, kreischt das Leben und kehrt ihm weinend nun den Rücken zu.

“Ach, wenn ich nur könnte”, lächelt der Tod und fügt entschuldigend hinzu:
“Leben, bitte verzeih’ mir meine aufgebrachten Worte,
hab gesehen zu viele Morde,
als dass ich den Sinn von irgendetwas noch versteh’
doch dich verletzt zu sehen, tut weh …
Vielleicht sind weder du noch ich gut oder böse,
du die im Vordergrund Leb-hafte, ich, der im Hintergrund Mysteriöse.
Vielleicht sind wir beide füreinander geschaffen,
weil wir einander Sinn er-schaffen.
Denn ohne mich kannst du nicht sein,
und ohne dich, bin ich dein Schein.
Siehst du denn nicht, dass wir abhängig voneinander?”

Das Leben lauscht aufmerksam, wenn auch ein klein wenig … durcheinander.
Es betrachtet den Tod durch tränengesäumte Augen,
seine letzten Worte, die will es ihm glauben,
und in seinem Kleidchen zinnoberrot
greift es zaghaft nach des Todes Rose,
die da herabhängt so lose,
von dessen bleicher Hand gehalten.
Und als das Leben des dürren Blattskeletts-Falten
sachte berührt, spürt die Blume neue Kraft,
das Leben selbst schenkt ihr neuen Lebenssaft,
sodass die Rose erwacht zu solcher Röte wie selbst der Abend sie niemals besaß.
Des Todes Hand so blass wie Glas
greift zögernd nach der des Lebens,
und so ward die Symbiose des Nehmens und Gebens,
durch die Bekanntschaft des Todes und seines Lebens.


Traducido por Pierluigi Manchia


VIVE Y AMA LA MUERTE

en un claro florecido
paraíso dibujado de colores pastel
ningún animal
mata otro y cede su nombre:
diente de león; escaramujo;
ajo salvaje;
campánulas rellenas
del llanto del cielo,
cardos fremon con charme de muérdago.
Aquí, en un campo que parece un cielo estrellado,
muere de improviso todo lo que roza
los pies de una flaca figura, que entra, de rostro blanco,
envuelta en una túnica negra.
Cuervos en coro graznan mal agüero,
pétalos se deshacen en polvo,
en el frío inmoto, sin aliento,
del invierno,
en marcha sobre un camino de flores marchitas,
en el paraíso pastel,
corta y seca el oleaje de tallos y capullos,
su majestad en persona: sí, La Muerte.

El sueño eterno sólo dura un segundo,
las flores vuelven a levantar la cabeza,
las últimas canas,
de los dientes de león, sus semillas, le hacen el amor al viento:
así como la Muerte también llega la Vida
muere la vida y vive la muerte.
En ese claro florecido llega su majestad en persona: sí, la Vida.
Aquí, en un cielo estrellado que parece un campo de flores
vive, de improviso, todo lo que roce los pies de esa forastera:

figura frágil, pecas en el rostro, envuelta en roja vestimenta de fuego.
Así como los muertos ahora regresan a la Vida,
así la Muerte, mirando hacia atrás, mirándola a ella,
se asusta, la encuentra tan bella.
La Vida sonríe despreocupada moviéndose en corro,
y prosperan las plantas a su alrededor, mecen

las cabezas al compás de la Vida,
ondean siguiendo el ritmo de la danza de sus caderas y sus saltos en el aire.
Triste, apagado y reservado permanece el prado alrededor de la Muerte,
pero la Vida no siente su amenaza,
es más, comienza una danza salvaje, y la rodea.
La Muerte, ante tan resplandeciente placer,
abre de par en par los ojos,
hasta tener a la Vida bien en frente.
La muerte se aclara la voz,
se agacha y tras recoger una rosa, la ofrece a la Vida
pero sólo con tocarla la transforma: la rosa es cadáver.
Los dedos avergonzados aún sujetan
la rosa ya marchita.
La Vida, las manos en los costados, dice:
– Muerte, ¿qué quieres tú de mí?
de todo hombre eres enemiga,
a cada hombre traes miseria y ruina,
todas mis obras siempre deshaces,
y entre nosotras nunca podrá haber…
La Muerte vuelve a abrir los ojos de par en par
y grita: -Vida, di la verdad,
te consideras mejor,
pero soy yo que resalto tu valor.
Me llamas terror de los humanos, yo soy rendención, acabo
lo que tu dejas comenzado…
y son mis lágrimas las que limpian
las heridas sangrientas de mis clientes.
Desde siempre, me desean la gran mayoría de los hombres,
al final de un largo día de trabajo,
saludo como una vieja amiga,
me apresuro, cumplo rápido, como un beso,
un golpe.
Tu, por otra parte,
te tomas las cosas con calma,
crisis tras crisis,
y nadie conoce tu verdadero sentido,
quizás sea yo misma la culminación de la vida,
su fin, un desbordar,
de todo organismo
el mayor orgasmo –

Así empalidece la Vida, más demacrada que su propia contraparte,
tiemblan sus labios, la mirada turbia:
-Muerte, por qué no te mueres! -chilla la Vida, y se da
vuelta, de espaldas, y rompe a llorar.

-Ah, si tan solo pudiera… – sonríe la Muerte, y añade compungida
– Vida, te lo ruego, perdona mis palabras graves.
He visto demasiados asesinos,
como para seguir entendiendo el sentido de cualquier cosa,
y verte herida me duele…
y quizás tú y yo,
no somos ni bien, ni mal. Tú vas
por delante, vital,
yo al fondo de todo, un misterio.
Estamos hechas quizás la una para la otra, y entre
nosotras nos damos sentido.
Porque sin mí tú no tienes existencia, ni tan
solo apariencia.
No lo ves, dependemos la una de la otra.

La Vida escucha atenta, un poco confundida, y con los
ojos húmedos mira a la Muerte, quiere creer esas
últimas palabras,
y en su vestimenta rojofuego
roza dulcemente la rosa de la Muerte que
cuelga partida y marchita
apenas sujetada por la mano blanquecina. Y
cuando la vida dulce roza las arrugas esqueléticas
de las frágiles hojas,
recoge la flor una fuerza nueva, la
misma Vida vierte su linfa
y la rosa se despierta tan roja como nunca
había sido antes.
La mano de la muerte, tan fría como el cristal, roza
lenta la mano de la Vida.
Es así que se da la simbiosis tanto de lo dado como de lo recibido,
y así es el encuentro y el cortejo
de la Vida y la Muerte.

 


Katharina Wenty, born 1995, grew up in Vienna where she started writing her own short stories and poems at the age of eight. Later she also discovered her passion for filmmaking and won several short film awards, amongst others “Media Literacy Award”, “Zeitimpuls Kurzfilm Award 2013 + 2016”, „Science Clip of the Year“ etc. After school she began studying theatre-, film- and media studies at the university of Vienna, followed by a course of lectures in Multimedia at the Höhere Graphische Bundes-, Lehr- und Versuchsanstalt. In 2016 Katharina began performing at Poetry Slams and two years later she became the Wien/Niederösterreich/Burgenland state champion in Poetry Slam and achieved the 5th place in the Austrian Championships as well as in the European Poetry Slam Championships. She has not only performed at political events such as the Future-Congress of the Green Parties Europe („Zukunftskongress der Grünen Europa“), Viennese Week of Dignity („Wiener Woche der Würde“), Poetry Slam for women’s rights petition for a referendum etc., but also in countries like Mexico, North Macedonia, Morocco, Italy, Hungary, Slovakia, Switzerland, Luxembourg etc. Currently Katharina is one of the most touring Austrian poets in Europe due to her many performances not only in countries like Austria and Germany. Besides her studies at university and regular international poetry performances, she currently works as a production assistant in the newsroom of the public-service broadcasting ORF as well as a freelance photographer and filmmaker.

Leave a Comment

Categorías